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Von Eltern, Kindern und Piraten

Nach der vorläufigen logischen Abschaffung meines Fernsehgerätes und der Konzentration auf mediale Inhalte via Internet (1), habe ich die Muße gefunden mir die ein oder andere Sendung, und dazu die ein oder andere Meinung, anzuschauen, anzuhören und durchzulesen. Dabei ist mir vor allem das Piratenpartei-Gebashe ins Auge gesprungen. Man kann Piraten nun alles möglich andichten – und das wird auch gerne getan.

Mal ganz von den Fehlern und Unzulänglichkeiten dieser jungen Partei abgesehen, hauen die alten Parteien, die sich gerne „etablierte Parteien“ nennen, ordentlich drauf und bemühen dabei auch erschöpfend ihre Freunde und Verwandten. Dabei ist mir aufgefallen, dass es hier offensichtlich nicht um einen Konflikt der Ideologien gibt. Tatsächlich haben wir einen klassischen Generationenkonflikt, in dem die Piraten nur das umsetzen, was ihnen beigebracht wurde.

Sei stets ehrlich, offen und freundlich zu jedem. Gehe niemals bei rot über die Straße und akzeptiere andere, lerne von ihnen und tu keinem weh, wir sind alle gleich. Das sind im Grunde genommen die Verhaltensregeln, die Eltern ihren Kinder beibringen – und diese Verhaltensregeln selbst gerne auch mal außer acht lassen. Dumm nur wenn die Eltern dabei erwischt werden. Und noch dümmer, wenn die Kinder diese Verhaltensregeln im späteren Leben konsequent umsetzen.

Und genau das ist mit den Piraten passiert. Sie sind die nächste Generation der Politik. Die Alten haben den Jungen das Laufen beigebracht, in diesem Sinne die Möglichkeiten der Demokratie. Blöd, wenn die eigenen Kinder dann in eine unerwünschte Richtung laufen, aus der Familie ausbrechen und sich neue Freunde suchen. Die Alten sitzen dann alleine daheim, es kommen immer weniger Freunde zu Besuch, irgendwann macht dann der letzte das Licht aus. Das macht Angst; und Angst sorgt für Wut.

Die Alten wollen den Nachwuchs dirigieren, denn sie sind ja so erfahren, haben alles schon mal erlebt und wissen, wie es richtig geht. Rücksicht auf andere, bei rot stoppen und niemandem weh tun? Junge, setz‘ die Ellbogen ein und gib Gas, sonst bringst du es zu nichts im Leben! Respekt und Akzeptanz, Mädchen können alles was Jungs können und andersherum. Quatsch! Mädchen, hast du schon einen Freund und wie sieht es mit Enkeln aus?

Das funktioniert leider gar nicht. Die Alten sehen ihre Felle davonschwimmen und haben deswegen beschlossen, sich ihren Kindern anzugleichen und deren Freunden anzubiedern. Die Alten werden zu den coolen Eltern. Internet? Können wir auch. Twitter? Auch im Winter. Facebook? Ich poste meinen Stuhlgang. G+? Plus was? Und wie im echten Leben, solche Eltern sind einfach peinlich. Hipp angezogen, am besten noch im Familylook, dazu mit den Kids auf die Tanzfläche, zeigen wie toll man ist und Ahnung von cooler Mucke hat („Jo, Bro, ich höre AC/DC und Aerosmith.“). Ähm, hm, ja …

Sich mit dem Nachwuchs auseinanderzusetzen, die Meinung der Jungen zu akzeptieren und einfach loszulassen, das fällt den Alten schwer. Ins Grab fahren sie trotzdem irgendwann. Man sollte sich, wenigstens im Guten, an sie erinnern können …

(1) „Gottschalk live“ ist in der ARD-Mediathek zwar noch immer lame, aber trotzdem flotter als mit Werbung und Wetter im Original. Tipp: Die Sendung vom 18. 04. 2012 mit Anke Engelke und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. So kontroverse Gäste und Tommy hat es trotzdem versaut (Thema „Zwangsheirat“).

Partyspiele vor der Wahl: Herzblatt!

Die Sendung Herzblatt war und ist noch in aller Munde. Die meisten Bundesbürger können sich – zumindest wage – etwas darunter vorstellen. Allen anderen sei gesagt, dass es bei Herzblatt (eine Spielshow die durch Rudi Carell ganz groß wurde) darum geht, das ein Kandidat an drei weitere Kandidaten Fragen stellt und schlussendlich entscheidet, mit wem er ein Wochenende zum näheren Kennenlernen verbringen will. Dabei ist der Fragesteller von den Antwortenden durch eine verschiebbare wand visuell getrennt. Der oder die Fragenstellende hat also keine Ahnung, wen er vor sich hat.

Beim politischen Herzblatt ist das nun ähnlich. Einer der Gäste wird nun zum Fragesteller erklärt und muss sich drei Fragen ausdenken. Diese können einen politischen Bezug haben, das ist aber kein Zwang. Die Fragen können auch sehr kreativ sein.

Beispiel: „Was halten Sie von den Emissionswerten in deutschen Haushalten, nach dem Verzehr einer französischen Zwiebelsuppe?“

Drei Leute sind nun die Antwortenden und müssen sich eine passende Antwort ausdenken. Allerdings schlüpfen sie dabei in die Rollen von Politikern und müssen die Antworten gestalten, wie ihrer Meinung nach der entsprechende Politiker antworten würde. Um den jeweiligen Politiker zu ermitteln, schreibt man einfach ein paar passende Namen auf kleine Kärtchen und die Antwortenden ziehen sich zufällig jemanden. Wer möchte kann auch einige Daten zum Politiker aufs Kärtchen schreiben, immerhin sind nicht alle Politiker gut bekannt.

Beispiel: „Nun ja, ich koche ja eine sehr hervorragende Zwiebelsuppe und bin dafür auch schon gelobt werden. Und ich kann versichern, kein Arbeitnehmer wird weniger Fürze produzieren, als ein Arbeitsloser. Darauf können sie sich verlassen. Habe ich schon gesagt, dass ich eine hervorragende Zwiebelsuppe koche?“

Die Aufgabe des Fragestellers ist es nun, nach drei Antwortrunden (es sind ja auch drei Fragen) zu erraten wer denn seine Herzblätter sind. Bei den obigen Beispielen handelt es sich natürlich um unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel, die es zu erraten galt. Da es nur um den Spaß geht, sollte man es den Fragestellern etwas leicht machen und es gibt auch keinen wirklich Sieger. Man erfährt so allerdings humorvoll, wie der ein oder andere Freund über den ein oder anderen Politiker denkt. Und das ist doch auch ein Gewinn …

„Ich war jung und brauchte den Strom …!“

Wird man von seinen Nachkommen mit einer Jugendsünde konfrontiert, so wird als Argument gerne mal mit „Ich war jung und brauchte das Geld“ argumentiert. Nun, meistens sind diese Jugendsünden nur peinlich und fügen der Allgemeinheit keinen Schaden zu. Bei der aktuellen Energiediskussion sieht die Sache etwas anders aus.

So befürworten die Frau Bundeskanzler und ihre Ritter der Schwafelrunde den Atomstrom und auch in der Bevölkerung nimmt die Akzeptanz gegenüber dem „scheinsauberen“ Strom zu. Dabei gibt es für diese Akzeptanz nur einen Grund: Angst! Angst vor den steigenden Energiekosten, Angst vor endlicher Energie, Angst vor Unterversorgung, Angst vor dem Klimawandel. Da reichen uns doch die AKWs ihre rettende Hand – oder?

Nein, denn Atomenergie ist keine Lösung, aber niemand schaut mehr hinter die Kulisse – ebenfalls aus Angst. Angst davor, dass es keine andere Lösung gibt. Aber es gibt andere Lösungen!

Doch beleuchten wir erst einmal die Ängste, die den Bürger in die Arme der Atomlobby treibt. Werden die Energiekosten tatsächlich sinken? Nein!

Uran ist ein endlicher Rohstoff, der in 20 bis 60 Jahren (je nach Zahl der neugebauten AKWs) aufgebraucht ist und bereits aktuell teuer gehandelt wird. Der Bau von neuen Atomkraftwerken ist so teuer, dass er nur durch steigende Energiekosten gedeckt werden kann. Atomstrom ist derzeit Subventioniert, das bedeutet, der Steuerzahler zahlt bereits mit seinen Steuern für günstigen Atomstrom und dann nochmals, sobald er die Rechnung ins Haus bekommt. Wobei, der Anbieter mit den meisten AKWs in seinem Besitz hat aktuell trotzdem den teuersten Tarif.

Kann Atomstrom den Klimawandel positiv beeinflussen und schützt er die Umwelt? Nein!

Die vielzitierten Emissionen bei Atomkraft liegt bei 31 Gramm CO2 pro Kilowattstunde, im Gegensatz zu 19 Gramm bei Windkraft – als Gegenbeispiel. Die von der Atomlobby angeführten Einsparungen durch Atomstrom basieren einfach darauf, dass Atomstrom durch Kohlestrom ersetzt würde. Aber wenn schon ein neues Kraftwerk bauen, dann kann man ja auch ein Naturstrom-Kraftwerk errichten. Nur weil ein Bus weniger Treibstoff als ein Flugzeug verbraucht, ist er ja keineswegs sparsamer als ein Fahrrad …

Hinzu kommt, das Atomstrom schädlich bis tödlich ist. Bereits beim Abbau wird man Strahlung ausgesetzt, beim Einsatz und beim Abbau. Es wird stets von der best möglichen Sicherheit gesprochen, von dem höchsten Sicherheitsstandard der Welt – aber bei einer solch gefährlichen Sache ist das beste und das höchste noch zu wenig – hier braucht es Perfektion. Aber es gibt im Bereich des Atomstroms keine perfekte Sicherheitsmaßnahmen!

Atomarer Terrorismus, austretende Strahlung, weltweit tägliche Probleme in den Atomkraftwerke, angeblich sichere Endlager die Leckschlagen … dazu stets das Argument, alle anderen um Deutschland herum hätten ja auch AKWs. Ja, sind wir denn im Kindergarten? Nur weil der kleine Pierre mit einer geladenen Pistole spielt, muss dass der kleine Wilhelm auch? Nein!

Wirtschaftlich gesehen bietet der Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie sogar ungeahnte Möglichkeiten. Wir würden eine Vorbildfunktion einnehmen, anderen Ländern Mut machen, uns zu folgen und würden Technologisch gesehen einen Vorsprung erarbeiten, der auch wirtschaftlich zu nutzen ist.

Detaillierter und weitaus besser können natürlich andere Seiten informieren. Unter anderem Greenpeace oder auch das Bundesumweltministerium. Einfach mal selbst ein paar Daten und Fakten lesen. Einfach mal aufhören Angst zu haben und einfach mal hinter den Spiegel schauen.